Kaufland Marketplace: Wie der Schwarz-Konzern seinen Plattform-Angriff auf Amazon aufstellt
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Kaufland Marketplace: Wie der Schwarz-Konzern seinen Plattform-Angriff auf Amazon aufstellt

Kaufland hat 2019 einen eigenen Online-Marktplatz für Drittanbieter gestartet und ihn seitdem stetig ausgebaut. Was der Schwarz-Konzern strategisch vorhat – und warum Kaufland.de für Händler eine ernsthafte Amazon-Alternative werden könnte.

Kaufland.de ist nicht mehr nur ein Supermarkt-Onlineshop. Seit dem Start des Drittanbieter-Marktplatzes ist die Plattform zu einem ernsthaften Player im deutschen E-Commerce geworden – mit Reichweite durch die stationäre Kaufland-Kundenbasis und einem Fulfillment-Angebot, das Amazon FBA strukturell ähnelt. Für Händler stellt sich die Frage: Ist Kaufland.de als Marktplatz eine attraktive Diversifikation – oder droht dieselbe Abhängigkeit wie bei Amazon?

Der Schwarz-Konzern – zu dem neben Kaufland auch Lidl und die Datentochter Schwarz Digits gehören – verfolgt erkennbar eine Plattform-Strategie. Kaufland.de als Marktplatz ist ein Baustein, der die Kundenbindung über das stationäre Geschäft hinaus verlängern und neue Erlösquellen erschließen soll.

Was Kaufland.de Händlern bietet

Das Angebot für Marketplace-Seller umfasst eine Fulfillment-Option (Kaufland Fulfillment), eine eigene Seller-Plattform mit API-Anbindungen und die Möglichkeit, von der Markenbekanntheit des Kaufland-Namens in Deutschland zu profitieren. Die Gebührenstruktur ist transparent publiziert und liegt in den meisten Kategorien unter den Amazon-Gebühren – was für Händler mit engen Margen ein realer Vorteil ist.

Pricing-Implikationen für Händler auf Kaufland.de

Wer auf mehreren Marktplätzen aktiv ist, muss seine MAP-Policy (Minimum Advertised Price) kanalübergreifend durchsetzen. Kaufland.de als zusätzlicher Kanal erhöht die Komplexität: Preise müssen konsistent sein, Preis-Monitoring muss Kaufland.de einbeziehen, und algorithmische Preisoptimierung muss den Kaufland-Marktplatz-Kontext berücksichtigen.

Besonders relevant: Kaufland.de hat – im Gegensatz zu Amazon – noch keine dominant eigene Handelsaktivität auf dem Marktplatz. Es gibt kein „Kaufland Basics"-Sortiment, das Drittanbietern direkt Konkurrenz macht. Das ist ein struktureller Vorteil gegenüber Amazon, der Pricing-Spielraum erhält – aber keine Garantie für die Zukunft.

Wann Kaufland.de als Kanal sinnvoll ist

Kaufland.de ist besonders attraktiv für Händler in Kategorien, in denen Kaufland stationär stark ist (Lebensmitteln-nahes Non-Food, Haushaltsware, Gartengeräte, Spielzeug) – weil dort die Überschneidung zwischen der stationären Kaufland-Kundschaft und der Online-Zielgruppe am größten ist. Händler in Nischenkategorien mit geringer Kaufland-Affinität müssen Traffic-Erwartungen realistisch einschätzen.

Pricing Takeaway: Kaufland.de ist eine ernstzunehmende Marktplatz-Alternative – mit strukturellen Vorteilen gegenüber Amazon (niedrigere Gebühren, kein Self-Preferencing durch Eigenhandel). Wer diversifizieren und Amazon-Abhängigkeit reduzieren will, sollte Kaufland.de in seine Kanalstrategie einbeziehen – mit klarer MAP-Policy und einem Preis-Monitoring, das den Marktplatz von Beginn an erfasst.