Die Goldgräberstimmung im Quick Commerce ist endgültig vorbei. Im Mai 2026 lässt sich klar identifizieren, welche Akteure den harten Marktaustritt ihrer Wettbewerber überlebt haben und warum Rentabilität nun vor reinem Wachstum steht.
Es war eine der spektakulärsten Phasen der jüngeren Handelsgeschichte: Das Versprechen, Lebensmittel und Haushaltswaren innerhalb von zehn Minuten zu liefern, verbrannte Milliarden an Wagniskapital. Im Jahr 2026 ist die Branche in Deutschland und Europa kaum noch wiederzuerkennen. Von den Dutzenden Startups, die 2021 und 2022 die Innenstädte mit Dark Stores pflasterten, sind nur noch wenige Schwergewichte übrig geblieben.
Der Fokus auf Unit Economics
Die Überlebenden – darunter Getir (nach der Integration von Gorillas) und Flink – haben ihre Strategie fundamental geändert. Statt massiver Marketing-Subventionen pro Bestellung steht heute die Rentabilität jeder einzelnen Lieferung im Vordergrund. Dies wurde vor allem durch drei Maßnahmen erreicht:
- Sortimentsoptimierung: Weg von der reinen Notfall-Lieferung hin zum vollwertigen Wocheneinkauf. Durch Eigenmarken mit höheren Margen konnten die Deckungsbeiträge signifikant gesteigert werden.
- Effizienz in den Dark Stores: Automatisierungslösungen für das Picking haben die Personalkosten pro Bestellung gesenkt.
- Dynamische Liefergebühren: Die Kunden akzeptieren 2026, dass Bequemlichkeit ihren Preis hat. Gestaffelte Liefergebühren je nach Warenkorbwert und Auslastung sind zum Standard geworden.
Integration in das klassische Retail-Ökosystem
Ein entscheidender Überlebensfaktor war die Partnerschaft mit dem etablierten Einzelhandel. Die Kooperationen zwischen REWE und Flink zeigen, wie Quick Commerce heute als verlängerter Arm des stationären Handels fungiert. Der schnelle Kanal dient nicht mehr als isolierter Konkurrent, sondern als Premium-Service innerhalb einer umfassenden Omnichannel-Strategie.
Besonders erfolgreich sind Anbieter, die es geschafft haben, ihre logistische Infrastruktur auch für Drittanbieter zu öffnen. „Wir sind heute eher ein Infrastruktur-Provider als ein reiner Lebensmittelhändler", so ein Sprecher eines führenden Anbieters. Die Zustellung von Apothekenprodukten oder kleineren Elektronikartikeln sorgt für eine gleichmäßigere Auslastung der Rider-Flotten über den Tag verteilt.