Private Labels neu gedacht: Wie Supermarktketten Eigenmarken premiumisieren
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Private Labels neu gedacht: Wie Supermarktketten Eigenmarken premiumisieren

Vom billigen Ersatz zum begehrten Markenartikel: Supermärkte machen 2026 ihren Eigenmarken Konkurrenz durch hochwertiges Storytelling und exklusive Rezepturen.

Eigenmarken sind im Mai 2026 nicht mehr nur die günstigere Alternative im Regal. Durch gezielte Premiumisierung greifen REWE, Edeka und Co. nun direkt die Marktführer der Konsumgüterindustrie an.

Lange Zeit war die Rollenverteilung im Supermarkt klar: Markenartikel boten Qualität und Prestige, Eigenmarken (Private Labels) lieferten den niedrigsten Preis. Doch die Inflationswellen der vergangenen Jahre haben das Kaufverhalten nachhaltig verändert. Kunden, die einmal zur Eigenmarke gegriffen haben, sind oft geblieben – und fordern nun mehr Vielfalt und Qualität in diesem Segment.

Die drei Stufen der Eigenmarken-Strategie

Im Jahr 2026 setzen die großen Handelsketten auf ein differenziertes Drei-Säulen-Modell für ihre Hausmarken:

  • Einstiegsmarken (z.B. ja!, gut & günstig): Diese dienen weiterhin der Preisabwehr gegen die Discounter und sichern die Basispriorität der Kunden.
  • Standard-Eigenmarken (z.B. REWE Beste Wahl, Edeka): Hier wird die Qualität auf das Niveau der führenden Marken gehoben, bei einem Preisvorteil von 15-20%.
  • Premium-Eigenmarken (z.B. REWE Feine Welt, Edeka Selection): Diese Marken besetzen Nischen wie exotische Gewürze, handwerklich hergestellte Pasta oder exklusive Weine. Sie konkurrieren oft nicht mehr über den Preis, sondern über Exklusivität.

Margenvorteil für den Handel

Für die Einzelhändler ist diese Entwicklung hochattraktiv. Während bei großen Markenartikeln wie Coca-Cola oder Nestlé die Margen oft durch harte Preisverhandlungen und hohe Einkaufspreise gedrückt werden, hat der Handel bei Eigenmarken die volle Kontrolle über die gesamte Wertschöpfungskette. Eine Premium-Eigenmarke erzielt oft eine deutlich höhere Nettomarge als ein vergleichbarer Markenartikel.

Zudem nutzen die Händler ihre Datenmacht. Durch die Analyse von Kundenkarten-Daten wissen sie genau, in welchen Kategorien Kunden bereit sind, für 'Premium' mehr zu bezahlen. So werden gezielt Eigenmarken in Trendbereichen wie 'Vegan-High-Protein' oder 'Functional Food' gelauncht, noch bevor die großen Industrie-Player reagieren können.

Fazit: Die Premiumisierung der Eigenmarken ist ein strategischer Befreiungsschlag des Handels. Sie reduziert die Abhängigkeit von großen Markenherstellern und stärkt die Kundenbindung an die eigene Kette. Pricing-Teams müssen hier sensibel agieren: Der Preisabstand zur A-Marke darf nicht zu klein werden, sonst verliert das Private Label seine Daseinsberechtigung als kluge Alternative.