Der Verkauf auf dem Amazon Marketplace wird im Mai 2026 so komplex und teuer wie nie zuvor. Neue Servicegebühren für Lagerhaltung und die verpflichtende Nutzung von Werbeplätzen setzen die Margen der Seller massiv unter Druck.
Amazon bleibt der unangefochtene Gigant im E-Commerce, doch das Verhältnis zu seinen Drittanbietern ist im Frühjahr 2026 angespannt. Das Unternehmen hat eine Reihe neuer Gebühren eingeführt, die insbesondere kleine und mittlere Händler vor große Herausforderungen stellen. Wer nicht über eine hochoptimierte Supply Chain und ein exzellentes Pricing verfügt, gerät schnell in die Verlustzone.
Die neue Kostenstruktur
Besonders die Einführung der 'Inbound Placement Service Fee' und die Anpassung der Lagergebühren für geringe Bestandsmengen haben für Unmut gesorgt. Amazon argumentiert, dass diese Gebühren die Effizienz des Logistiknetzwerks widerspiegeln. Für Händler bedeutet es jedoch: Wer seine Ware nicht exakt so anliefert, wie es der Algorithmus vorgibt, zahlt drauf.
- Werbedruck: Ohne Amazon Advertising ist organische Sichtbarkeit 2026 praktisch nicht mehr vorhanden. Die 'ACOS' (Advertising Cost of Sales) fressen oft 15-20% des Bruttoumsatzes.
- Retouren-Kosten: Neue Gebühren für Artikel mit hohen Retourenquoten zwingen Händler dazu, ihre Produktbeschreibungen und Qualitätskontrollen massiv zu verbessern.
- FBA-Preiserhöhungen: Die Versandgebühren durch Amazon (FBA) sind im Vergleich zum Vorjahr um durchschnittlich 6% gestiegen, getrieben durch höhere Energie- und Personalkosten.
Reaktionen der Händler: Diversifikation und Preiserhöhungen
Viele Händler reagieren mit einer zweigleisigen Strategie. Einerseits werden die Preise auf Amazon angehoben, um die gestiegenen Kosten abzufangen. Da Kunden auf Amazon jedoch extrem preissensibel sind, führt dies oft zu einem Rückgang des Absatzvolumens. Andererseits investieren immer mehr Marken in ihre eigenen Onlineshops (DTC) oder diversifizieren auf Plattformen wie Kaufland.de oder Otto.market.
„Wir können es uns nicht mehr leisten, alles auf eine Karte zu setzen", sagt ein Elektronik-Händler. „Amazon ist für uns zum 'Customer Acquisition Channel' geworden, aber das Geld verdienen wir heute zunehmend über den Direktvertrieb oder Nischenmarktplätze."