Vinted, eBay Kleinanzeigen (jetzt Kleinanzeigen.de) und Back Market verzeichnen Rekordumsätze. Der Re-Commerce-Markt wächst in Deutschland dreimal schneller als der Neukauf-Markt. Für Hersteller und Retailer entsteht ein neuer Referenzpreisrahmen — der Gebrauchtpreis als Deckel für den Neupreis.
Re-Commerce — der organisierte Wiederverkauf von Gebrauchtprodukten — ist 2026 kein Nischenphänomen mehr. Für Pricing-Strategen entsteht ein fundamental neues Problem: Wenn Konsumenten den Wiederverkaufswert eines Produkts kennen, kalkulieren sie rückwärts und bilden rationale Preisobergrenzen für den Neukauf.
Marktgrößen und Wachstum
ThredUp "Resale Report 2025": Der globale Re-Commerce-Markt wird 2025 auf 350 Mrd. USD geschätzt und soll bis 2028 auf 500 Mrd. USD wachsen. In Deutschland: Vinted verzeichnete 2024 über 65 Mio. registrierte Nutzer europaweit, Back Market erzielte zuletzt einen Bewertung von 5,1 Mrd. USD. Kleinanzeigen.de (ehemals eBay Kleinanzeigen) ist mit über 30 Mio. monatlichen Nutzern in Deutschland die größte Re-Commerce-Plattform.
Kategorien mit stärkstem Re-Commerce-Wachstum: Fashion (+28 % p.a.), Consumer Electronics (+22 %), Luxury (+19 %), Sportartikel (+17 %).
Der Residualwert als Pricing-Parameter
Re-Commerce-Preisdaten sind öffentlich und durchsuchbar — was bedeutet, dass Konsumenten den Residualwert eines Produkts kennen. Das verändert die Kaufentscheidungslogik: "Wenn ich das iPhone 16 für 1.199 € kaufe und in 2 Jahren für 600 € weiterverkaufen kann, zahle ich effektiv 599 € — günstiger als Konkurrenzprodukte mit niedrigerem Residualwert."
Apple nutzt diesen Effekt aktiv: Die hohen Weiterverkaufswerte von Apple-Geräten sind ein zentrales Argument im Premium-Pricing. Für Hersteller mit niedrigem Residualwert entsteht das umgekehrte Problem: Der niedrige Gebrauchtpreis signalisiert dem Käufer "mindere Qualität" und untergräbt den Neupreis.
Implikationen für Retailer und Marken
Brands sollten Residualwert-Daten als Pricing-Signal nutzen: Produkte mit hohem Weiterverkaufswert können höhere Erstpreise rechtfertigen. Eigene Rücknahme- und Weiterverkaufsprogramme (z.B. Patagonia Worn Wear, Apple Trade-in) sichern Marken den Einfluss auf den Re-Commerce-Markt ihrer Produkte.
Warum das für Pricing Manager wichtig ist: Der Gebrauchtpreis wird zunehmend zum relevanten Benchmarking-Punkt für Konsumenten beim Neukauf. Brands ohne Bewusstsein für ihre Re-Commerce-Preis-Position riskieren, dass ein schwacher Markt für Gebrauchte den Neuverkauf untergräbt — besonders in Electronics, Fashion und Mobility.