IKEA hat in den letzten Jahren trotz gestiegener Roh-, Energie- und Logistikkosten versucht, Preise für Kernprodukte stabil zu halten. Wie funktioniert das – und welche Pricing-Mechanismen stecken dahinter?
IKEA ist für sein Versprechen bekannt, Einrichtung für möglichst viele Menschen erschwinglich zu machen. In den Jahren 2021–2023 war es dem Unternehmen nicht möglich, alle Preiserhöhungen abzufedern – IKEA hat in dieser Zeit Preiserhöhungen vorgenommen. Ab 2024 hat Ingka Group (IKEA's wichtigster Franchisepartner) öffentlich kommuniziert, Preise aktiv zu senken, wo immer Kostensenkungen es ermöglichen. Das ist eine nachvollziehbare und kommunizierte Strategie – keine Magie.
Wie IKEA Kosten reduziert, um Preise zu halten
IKEAs Kostensenkungsstrategie ist vielschichtig: (1) Design für Effizienz – IKEA's eigene Designer optimieren Produkte aktiv für günstigere Produktion, ohne Funktion zu reduzieren. Die ikonische Billy-Regal wurde über die Jahrzehnte mehrfach neu designt, um Materialverbrauch zu senken. (2) Lieferketten-Volumen – IKEAs globales Einkaufsvolumen ermöglicht Preisverhandlungen, die für kleinere Händler unerreichbar sind. (3) Flatpack-Logistik – der Flatpack-Ansatz reduziert Lager- und Versandvolumen erheblich, was direkte Kostenvorteile schafft.
Preisstabilität als Marken-Investment
Wenn IKEA einen Preis senkt oder stabil hält, während Kosten steigen, ist das kurzfristig ein Margenverzicht – aber langfristig ein Marken-Investment. Preisstabilität ist für IKEAs Positionierung ("Ein gutes Leben für alle") ein zentrales Markenwertversprechen. Den zu gefährden wäre strategisch teurer als die Margineinbuße durch Preisstabilität.
Was andere Händler daraus lernen können
Nicht jeder hat IKEAs Einkaufsvolumen. Aber das Prinzip ist übertragbar: Definiere 5–10 Kernprodukte oder -kategorien, für die Preisführerschaft und -stabilität strategisch wichtig sind. Akzeptiere dort niedrigere Margen bewusst – und kompensiere mit höheren Margen in der Breite des Sortiments. Das ist Quersubventionierung als Pricing-Instrument.
Takeaway: IKEAs Preisstabilität ist kein Wunder, sondern Ergebnis von Design-Effizienz, Einkaufsvolumen und bewusstem Margin-Tradeoff für strategische Kernprodukte. Das Prinzip der Quersubventionierung – günstig in Signalprodukten, Marge in der Breite – ist auch für kleinere Händler anwendbar. Quelle:
Ingka Group: IKEA Lower Prices Investment 2024.