Die Übernahme von About You durch Zalando ist abgeschlossen und schafft mit einem gemeinsamen GMV von über 4 Milliarden Euro die mit Abstand größte Mode-Plattform in der DACH-Region. Für Markenhersteller und Händler, die auf beiden Plattformen aktiv sind, verändert sich die Verhandlungslandschaft fundamental.
Bis Anfang 2025 war der europäische Online-Modemarkt durch funktionierenden Plattform-Wettbewerb geprägt: Zalando und About You konkurrierten um Marken, um Konsumenten und um Marktanteile. Marken konnten Konditionen gegeneinander ausspielen – wer bei Zalando schlechte Einkaufspreise erhielt, konnte mit dem About-You-Angebot verhandeln. Diese Option entfällt.
Die neuen Machtverhältnisse
Mit der Fusion kontrolliert Zalando in Deutschland, Österreich und der Schweiz zwischen 38 und 45 % des Online-Modeumsatzes. Für viele Modemarken ist Zalando bereits heute der größte Einzelhandelspartner – und damit der Kanal, bei dem Listung, Sichtbarkeit und Konditionenverhandlung den größten Hebel haben. Nach der Fusion ist dieser Hebel noch größer.
Konkret bedeutet das: Marken, die bisher über About You eine günstigere Wholesale-Alternative oder ein weniger reguliertes Partner-Programm genutzt haben, müssen ihre Verhandlungsstrategie überdenken. Die Konditionen beider Plattformen werden über die nächsten 18–24 Monate harmonisiert werden – mit welchem Ergebnis ist offen, aber die Richtung ist klar: weniger Wettbewerb bedeutet weniger Margen-Konzessionen des Plattformbetreibers.
Was das für Pricing-Strategien bedeutet
Für Pricing-Manager bei Modemarken ergeben sich unmittelbare Fragen:
- Welcher Preis gilt auf der fusionierten Plattform? Wenn About-You-Listings und Zalando-Listings zusammengeführt werden, entsteht potenziell eine Preis-Inkonsistenz. Marken, die auf beiden Plattformen zu unterschiedlichen Preisen gelistet waren, müssen ihre Preisstrategie vereinheitlichen.
- Wie verändert sich der Algorithmus-Wettbewerb? Auf einer kombinierten Plattform mit doppeltem Sortiment-Volumen steigt der Wettbewerb um algorithmische Sichtbarkeit. Wer nicht in Platzierungen investiert – über das Partner-Programm oder Werbemaßnahmen – riskiert, in der Ergebnisliste zu verschwinden.
- Braucht die Marke einen dritten Kanal als Verhandlungsanker? Da Zalando/About You als Plattform-Duo wegfällt, suchen viele Marken einen alternativen europäischen Plattform-Anker – Asos, Otto oder La Redoute als Konditionen-Referenz.
Regulatorische Unsicherheit als Variable
Die EU-Wettbewerbsbehörden haben die Fusion mit Auflagen genehmigt. Welche Auflagen konkret den Plattform-Betrieb beeinflussen – z. B. Diskriminierungsverbote für Drittmarken gegenüber Eigenmarken – ist ein laufender Prozess. Marken sollten diese Entwicklung aktiv verfolgen: Regulatorische Einschränkungen könnten Verhandlungsspielräume zurückbringen, die durch die Fusion verloren gegangen sind.