Destatis-Daten zeigen: Die Hochinflationsphase bei Lebensmitteln ist vorbei. Nahrungsmittelpreise stiegen 2022 um rund 13,4 Prozent und 2023 um 12,4 Prozent. 2025 lag die Nahrungsmittelinflation unter einem Prozent. Für den Handel bedeutet das: Wettbewerb über den Preis kehrt zurück.
Zwei Jahre extreme Nahrungsmittelinflation liegen hinter dem deutschen Lebensmitteleinzelhandel. Nun normalisieren sich die Preise – mit einer paradoxen Folge: Der Preiskampf zwischen Discountern, Vollsortimentern und E-Commerce-Playern wird schärfer als je zuvor, weil Verbraucher nach dem Inflationsschock deutlich preissensitiver geworden sind.
Die Zahlen: Was Destatis dokumentiert
Das Statistische Bundesamt (Destatis) veröffentlicht monatlich die Verbraucherpreisindizes für Deutschland. Die Nahrungsmittelpreise stiegen 2022 um 13,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr – der stärkste Anstieg seit Einführung der Statistik. 2023 verlangsamte sich die Teuerung auf 12,4 Prozent, bevor sie 2024 auf etwa 2,2 Prozent zurückfiel. Im Jahr 2025 lag die Nahrungsmittelinflation erstmals seit 2020 wieder unter einem Prozent.
Besonders auffällig: In einzelnen Kategorien wie Speisefetten, pflanzlichen Ölen und Milchprodukten sind die Endverbraucherpreise auf oder unter das Niveau von 2021 zurückgefallen – ein deflationärer Effekt, den der Handel in seiner Kalkulation abbilden muss.
Die Verbraucherreaktion: Dauerhaft erhöhte Preissensitivität
Der HDE (Handelsverband Deutschland) und GfK-Verbraucherstimmungsberichte zeigen konsistent: Auch nach dem Abklingen der Inflation ist die Preissensitivität der Verbraucher deutlich höher als vor 2022. Private-Label-Anteile, die während der Inflation zulegten, bleiben stabil – Verbraucher haben günstige Eigenmarken als qualitativ ausreichend akzeptiert und wechseln nicht vollständig zu Markenartikeln zurück.
Die Folge: Rückkehr des aktiven Preiskampfes
Aldi und Lidl investieren 2026 massiv in Preissenkungen, um die während der Inflation verlorenen Marktanteile zurückzugewinnen – laut GfK-Haushaltspanel hatten Vollsortimenter 2022–2024 leichte Anteilsgewinne auf Kosten der Discounter erzielt. Jetzt drehen die Discounter den Hebel um: aggressive Preissignale bei Frischeprodukten und Grundnahrungsmitteln.
Für REWE, Edeka und Co. bedeutet das eine schwierige Balance: Eigenmarkenmarge verteidigen, Markenpartner bei Listenpreisen unter Druck setzen und gleichzeitig das Vollsortimenter-Profil durch Service und Frische rechtfertigen.
Warum das für Pricing Manager wichtig ist
Die Normalisierung der Lebensmittelpreise beendet nicht den Preisdruck – sie verlagert ihn. Kategorie- und Pricing Manager im LEH müssen 2026 aktiv Preispositionierung betreiben statt nur Kostensteigerungen weiterzugeben. Die Ära des „Inflation als Entschuldigung" ist vorbei.
Pricing Takeaway: Nach +13,4 % (2022) und +12,4 % (2023) normalisieren sich Lebensmittelpreise 2025/2026. Verbraucher bleiben preissensitiver als vor der Inflation. Pricing-Teams im LEH müssen jetzt aktiv Positionierung betreiben – der Preiskampf kehrt zurück. Quellen: Destatis Verbraucherpreisindex, GfK Haushaltspanel, HDE Konjunkturbericht.