IKEA hat für das Geschäftsjahr 2025/26 angekündigt, die Preise für über 2.000 Produkte zu senken – trotz gestiegener Material- und Logistikkosten. Das klingt paradox. Es ist tatsächlich Strategie: IKEA schützt seinen Kernmarkenkern – „demokratisches Design zum niedrigsten Preis" – mit einer Pricing-Disziplin, die nur durch radikale Lieferketten-Optimierung möglich ist.
Ingka Group, die IKEA-Muttergesellschaft, hat in den letzten drei Jahren massiv in direkte Lieferanten-Partnerschaften investiert und Zwischenhändler eliminiert. Parallel dazu hat IKEA seine Produktion in Niedriglohnländer – Indien, Vietnam, Polen – teilweise verlagert. Das ermöglicht Preissenkungen, die für Wettbewerber wie XXXLutz, Höffner oder Home24 strukturell nicht replizierbar sind.
Warum Preissenkungen für IKEA ein Wachstumsinstrument sind
IKEAs Logik: Preissenkungen in Kernkategorien erhöhen die Besuchsfrequenz in Filialen und die Bestellhäufigkeit online. Im Gegenzug kaufen Konsumenten zusätzliche Artikel – Accessoires, Textilien, Küchen-Zubehör –, die deutlich höhere Margen tragen. Das ist die klassische Loss-Leader-Strategie im Großformat: Die Billy-Regale und KALLAX-Regale kommen zum Tiefstpreis, der Esstisch und die Hängeleuchten finanzieren die Marge.
Für IKEA ist das keine neue Strategie – aber die Konsequenz, mit der sie in einem Inflationsumfeld durchgehalten wird, ist bemerkenswert. Während andere Möbelhändler 2023–2025 Preiserhöhungen kommuniziert haben, ist IKEA in der Wahrnehmung des Tiefpreis-Champions geblieben.
Was andere Händler von IKEA lernen können
Die übertragbare Lektion ist nicht „senke deine Preise" – die meisten Händler haben nicht IKEAs Lieferkettenmacht. Die übertragbare Lektion ist die strategische Klarheit: IKEA weiß genau, welche Produkte seinen Preisimage-Anker definieren (BILLY, KALLAX, POÄNG) und schützt diese aggressiv. Bei diesen Artikeln wird auf Teufel komm raus günstig geblieben – der Rest des Sortiments finanziert das.
Diese Logik – Preis-Anker-Produkte identifizieren und konsequent günstig halten, Marge im restlichen Sortiment schöpfen – ist für jeden Händler anwendbar, unabhängig von der Größe.
Online-Expansion als zweite Front
IKEA hat seinen Online-Anteil in Deutschland auf über 30 % des Umsatzes gesteigert und investiert in kürzere Lieferzeiten. Für die Preisstrategie bedeutet das neue Komplexität: Idealo und Google Shopping listen IKEA-Preise direkt neben Wettbewerbern – was den Preis-Monitoring-Druck erhöht und die Konsistenz zwischen Filial- und Online-Preisen zu einer operativen Pflicht macht.