Elektronische Preisschilder: Wie Rewe und Lidl Preise in Echtzeit steuern
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Elektronische Preisschilder: Wie Rewe und Lidl Preise in Echtzeit steuern

ESL-Technologie verändert die Preisgestaltung im stationären Handel fundamental – und stellt Pricing Manager vor neue strategische Fragen.

Wer in den letzten Monaten eine Rewe- oder Lidl-Filiale besucht hat, hat sie vielleicht schon bemerkt: die kleinen, flimmernden Displays an den Regalträgern, wo früher Papier-Preisschilder hingen. Elektronische Regaletiketten (ESL – Electronic Shelf Labels) sind längst kein Pilotprojekt mehr. Sie sind der Beginn einer neuen Preisrealität im stationären Lebensmittelhandel.

Von der Druckerei zum Dashboard

In einem traditionellen Supermarkt wurde jede Preisänderung manuell umgesetzt: neue Etiketten drucken, durch die Filiale laufen, tausende Schilder austauschen. Eine Vollzeitstelle allein für Preispflege war in größeren Filialen keine Seltenheit. ESL-Systeme machen damit Schluss. Preisänderungen, die zentral im Warenwirtschaftssystem hinterlegt werden, erscheinen innerhalb von Sekunden auf dem Display – in allen betroffenen Filialen gleichzeitig.

Rewe pilotiert ESL aktuell in über 120 Filialen, Lidl in ausgewählten Märkten des Großraums München und Hamburg. Edeka-Händler setzen auf Lösungen von Pricer und SES-imagotag. Der Roll-out gewinnt deutlich an Fahrt.

Dynamisches Pricing im Lebensmittelhandel – wirklich?

Die eigentliche Frage, die Pricing Manager beschäftigt: Geht es nur um Effizienz – oder öffnen ESL die Tür für echtes Dynamic Pricing im stationären Handel?

Technisch ist beides möglich. In der Praxis gibt es jedoch klare Grenzen. Der deutsche Lebensmittelhandel ist preissensibel wie kaum eine andere Branche. Kunden, die bemerken, dass ein Joghurt am Nachmittag teurer ist als am Morgen, werden das nicht tolerieren – und Medien werden berichten. Das wissen die Händler.

Pricing-Takeaway: ESL schaffen operative Flexibilität, nicht automatisch dynamische Preisstrategien. Die strategische Frage ist nicht "Können wir Preise schnell ändern?" sondern "Welche Änderungen akzeptiert unsere Zielgruppe – und wann?"

Wo Dynamic Pricing bereits funktioniert

Einige Anwendungsfälle haben sich bereits etabliert:

  • MHD-Rabatte automatisiert: Produkte, die in wenigen Stunden ablaufen, werden automatisch um 30–50 % reduziert – ohne manuelle Eingriffe.
  • Tageszeit-Pricing in der Backwarenabteilung: Brötchen vom Morgen werden ab 17 Uhr günstiger. Das ist kommunizierbar und wird von Kunden positiv aufgenommen.
  • Aktionspreise ohne Druckkosten: Wochenaktion? Läuft automatisch ab Montag 6:00 Uhr in allen Filialen – zentral gesteuert.

Was bedeutet das für Pricing Manager?

Die Rolle des stationären Pricing Managers verändert sich. Früher war die Frage: "Wann schaffen wir es, die neuen Etiketten zu drucken?" Heute lautet sie: "Welche Preisregel gilt unter welchen Bedingungen?" Die Arbeit wird strategischer – und komplexer.

Wer ESL-Systeme einführt, braucht nicht nur Technik, sondern eine klare Pricing-Governance: Wer darf welche Preisregeln setzen? Welche Produkte sind von dynamischen Anpassungen ausgenommen? Wie wird Konsistenz zwischen Online- und Offline-Preis sichergestellt? Eine solide POS-Basis ist dabei Voraussetzung – ein aktueller POS-Tools-Vergleich hilft, die richtige Infrastruktur für moderne Preisstrategien zu wählen.

Diese Fragen beantwortet keine Software allein. Sie erfordern Prozesse, Verantwortlichkeiten – und Pricing Manager, die beides verstehen: Technologie und Strategie.