Deutschland zählt zu den europäischen Märkten mit den höchsten Private-Label-Anteilen im Lebensmitteleinzelhandel. NielsenIQ-Daten zeigen: Der Anteil der Eigenmarken am gesamten Lebensmittelumsatz liegt hierzulande bei rund 35–40 Prozent – mit steigender Tendenz. Was das für Pricing-Strategien bedeutet.
Eigenmarken sind im deutschen Lebensmitteleinzelhandel kein Krisenphänomen – sie sind strategisches Kern-Asset. NielsenIQ und PLMA (Private Label Manufacturers Association) dokumentieren: Deutschland hat strukturell einen der höchsten Private-Label-Anteile in Europa. Die Inflation der Jahre 2022–2023 hat diesen Anteil weiter gestärkt. 2026 nutzen die führenden Händler Eigenmarken als zentralen Pricing-Hebel.
Der Marktanteil: Was die Daten zeigen
Laut NielsenIQ und der PLMA (Private Label Manufacturers Association) liegt der Eigenmarkenanteil im deutschen Lebensmitteleinzelhandel bei rund 35–40 Prozent des Gesamtumsatzes – gemessen am Wert. Beim Absatz (Stück) ist der Anteil noch höher. Damit liegt Deutschland signifikant über dem europäischen Durchschnitt von etwa 30 Prozent.
Discountermarken (Aldi, Lidl, Penny, Netto) setzen zu rund 80 Prozent Eigenmarken ab – ihr Geschäftsmodell basiert strukturell auf Private Label. Vollsortimenter wie REWE und Edeka bewegen sich je nach Kategorie zwischen 20 und 40 Prozent Eigenmarkenanteil.
Die dreistufige Eigenmarkenarchitektur
Führende Händler setzen 2026 auf eine dreistufige Preisarchitektur bei Eigenmarken:
- Economy/Preiswert-Linie: Direkte Kampfpreise gegen Discounter (z. B. REWE Ja!, Edeka Gut&Günstig)
- Standard-Eigenmarke: Kernmarke mit Händlernamen, preislich unter Markenartikeln
- Premium-Eigenmarke: Hochpreisig positionierte Linien (z. B. REWE Bio, Edeka Selection, Kaufland K-Classic Premium)
Diese Architektur erlaubt es Händlern, Verbraucher über alle Preissegmente zu binden und gleichzeitig die Eigenmarkenmarge – die typischerweise 10–15 Prozentpunkte über der Marge von Markenartikeln liegt – zu optimieren.
Pricing-Implikationen: Markenartikler unter Druck
Für Hersteller von Markenartikeln bedeutet der Eigenmarken-Boom: Listungsverhandlungen werden härter, Regalplatz wird teurer, und der Preisabstand der eigenen Marke zur Handelsmarke muss durch nachvollziehbare Differenzierung gerechtfertigt werden. Händler nutzen ihre Eigenmarkenpreise aktiv als Druckmittel in Jahresgesprächen.
Warum das für Pricing Manager wichtig ist
Category Manager im LEH müssen Private-Label-Pricing als strategisches Instrument verstehen – nicht nur als günstige Alternative. Die Preissetzung der Eigenmarke definiert den Spielraum für Markenartikel in der Kategorie und beeinflusst die gesamte Preisarchitektur eines Regals.
Pricing Takeaway: Deutschlands Private-Label-Anteil im LEH liegt strukturell bei 35–40 % (Wert) – einer der höchsten in Europa. Eigenmarken sind kein Notsortiment, sondern strategisches Pricing-Instrument mit dreistufiger Architektur. Quellen: NielsenIQ, PLMA International, Handelsverband Deutschland (HDE).