dm und Rossmann kämpfen um jeden Cent – mit fundamental unterschiedlichen Pricing-Strategien. Eine vergleichende Analyse zeigt, welches Modell in der aktuellen Marktphase die Nase vorne hat.
Der deutsche Drogeriemarkt ist eines der intensivsten Preisgefechte im Einzelhandel – und ein Lehrstück über die Coexistenz zweier entgegengesetzter Pricing-Philosophien. dm setzt konsequent auf EDLP (Every Day Low Prices), Rossmann auf ein High-Low-Modell mit aggressiven Aktionen. Wer gewinnt 2026?
Zwei Preisstrategien, ein Markt
dm hält seit Jahren an seiner Niedrigpreisphilosophie fest: Keine Handzettel, keine Loyalitätspunkte auf Sonderpreise, stattdessen dauerhaft günstige Preise für alle. Diese Konsistenz erzeugt Vertrauen.
Rossmann dagegen arbeitet mit einer deutlich aktiveneren Aktionsstrategie: 20-Prozent-Coupons auf das Gesamtsortiment, temporäre Tiefstpreise und aggressive Eigenmarken-Promotionen. Das Modell spricht preisbewusste Käufer an.
Marktanteil und Umsatzentwicklung 2026
dm hält mit rund 38 % den größten Marktanteil im deutschen Drogeriemarkt, Rossmann folgt mit ca. 29 %. Im ersten Quartal 2026 wuchs dm um 6,2 % im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, Rossmann um 4,8 %.
Eigenmarken als Margenpuffer
Beide Ketten setzen stark auf Eigenmarken – doch mit verschiedener Zielsetzung. dm's „alverde" und „balea" sind echte Markensäulen, die höhere Preispunkte rechtfertigen. In der Kategorie Körperpflege liegt der Eigenmarkenanteil bei dm bei 45 %, bei Rossmann bei 39 %.
Warum das für Pricing Manager wichtig ist
Die Wahl der Preisstrategie ist keine taktische, sondern eine strategische Entscheidung. EDLP erfordert Disziplin und starkes Sortimentsmanagement, generiert aber loyalere Kunden. High-Low generiert höhere Aktivierungsimpulse, kann aber als Manipulation wahrgenommen werden.
Pricing Takeaway: dm beweist, dass EDLP auch 2026 funktioniert – wenn man bereit ist, auf kurzfristige Aktionserfolge zu verzichten und stattdessen auf Preisvertrauen zu setzen. Die entscheidende Kennzahl: nicht der Aktionsumsatz, sondern der Stammkundenanteil und die Warenkorbstabilität.