Ceconomy vs. Amazon: Wie MediaMarkt seinen Preiskampf 2026 taktisch neu aufstellt
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Ceconomy vs. Amazon: Wie MediaMarkt seinen Preiskampf 2026 taktisch neu aufstellt

Ceconomy hat in Q2 2025/26 überraschend starke Margenverbesserungen gemeldet – trotz eines schwierigen Marktumfelds. Der Grund: eine veränderte Pricing-Strategie, die auf Selektivität statt flächendeckenden Preiskampf setzt.

MediaMarkt und Saturn gelten als die Händler, die den härtesten Preiskampf gegen Amazon ausgetragen haben – mit gemischtem Erfolg. Seit Mitte 2025 verfolgt die Ceconomy-Gruppe eine sichtbar veränderte Strategie: weniger reaktives Preis-Matching, mehr selektive Preisführerschaft in definierten Kategorien und verstärkter Fokus auf Service-Differenzierung.

Ceconomy-CFO Kai-Ulrich Deissner hat in einem Analysten-Call im Februar 2026 eine Formulierung verwendet, die die Strategie gut beschreibt: „Wir wollen nicht in allen Kategorien der günstigste Anbieter sein – aber in den Kategorien, die für unsere Kunden definierend sind, wollen wir erkennbar stark sein."

Was sich konkret verändert hat

Beobachtungen aus dem Markt und Händlerberichte zeigen drei konkrete Verschiebungen in der MediaMarkt-Preisstrategie:

  • Kategoriefokus statt Vollsortiment-Matching: MediaMarkt matcht Amazon-Preise heute selektiv – bei Smartphones, TV-Geräten und Kaffeevollautomaten aggressiv, bei Kleinelektronik und Zubehör deutlich zurückhaltender. Das schützt Deckungsbeiträge im Long-Tail, ohne die Kernkategorie-Wettbewerbsfähigkeit aufzugeben.
  • Service-Bundle als Preisschutz: Die Ausweitung von Reparaturgarantien, Einrichtungsservices und Extended Warranties ermöglicht es, Produkte zu UVP oder leicht darunter zu verkaufen, ohne preislich neben einem Amazon-Angebot schlecht auszusehen – weil der Vergleich durch den Service-Mehrwert gebrochen wird.
  • Sofort-Verfügbarkeit als Asset: MediaMarkt kommuniziert „heute abholen" gezielt als Gegenmodell zu Amazon Prime. Für Spontankäufe oder dringende Anschaffungen ist das ein echter Differenzierungspunkt, der Preisprämien von 5–10 % rechtfertigen kann.

Was Category Manager von Herstellern lernen können

Die Strategie von Ceconomy hat direkte Implikationen für Markenhersteller, die über MediaMarkt und Saturn verteilen: Produkte, die in den Fokus-Kategorien liegen, unterliegen stärkerem Preis-Monitoring und -Matching. Produkte außerhalb dieser Kategorien haben mehr Spielraum für stabile Preise – was Margen schützt.

Hersteller sollten analysieren, in welchem Kategorie-Bucket ihre Produkte bei Ceconomy eingeordnet sind. Diese Information beeinflusst direkt, wie aggressiv Preise im Handel gemacht werden – und damit, welchen Handlungsspielraum eigene Pricing-Strategien haben.

Pricing Takeaway: Ceconomy zeigt, dass selektive Preisführerschaft in Kernkategorien nachhaltiger ist als flächendeckender Preiskampf. Das ist eine Lektion, die über den Elektronikhandel hinaus gilt: Wer überall der günstigste sein will, ist nirgendwo wirklich wettbewerbsfähig. Fokus schlägt Breite – auch im Pricing.