Die Omnibus-Richtlinie ist seit 2023 in Kraft, die ersten Bußgeldbescheide und Abmahnungen wurden 2025 ausgesprochen. Ein Zwischenbericht aus der Praxis: Was Händler falsch machen – und wie vorbildliche Compliance aussieht.
Seit der Umsetzung der EU-Omnibus-Richtlinie in deutsches Recht sind Händler verpflichtet, bei jeder Preisreduzierung den niedrigsten Preis der vorangegangenen 30 Tage als Referenzpreis anzugeben. Zwei Jahre nach Inkrafttreten zeigt sich: Die Umsetzung ist unvollständig, die Abmahngefahr real – und die besten Händler machen Compliance zum Wettbewerbsvorteil.
Zwischen dem Inkrafttreten und Ende 2025 haben Verbraucherschutzverbände und Wettbewerber in Deutschland eine wachsende Zahl von Abmahnungen wegen Verstößen gegen die Omnibus-Richtlinie ausgesprochen. Die häufigsten Verstöße sind dabei verblüffend banal.
Die häufigsten Compliance-Fehler
- Streichpreise ohne 30-Tage-Basis: Händler streichen einen Preis durch und zeigen darunter den Aktionspreis – ohne anzugeben, dass der Streichpreis der niedrigste Preis der letzten 30 Tage ist. Das ist der Klassiker, der am häufigsten zur Abmahnung führt.
- Pre-Event-Preiserhöhungen: Vor großen Sales-Events (Prime Day, Black Friday, Sommer-Sale) werden Preise temporär erhöht, um größere „Rabatte" kommunizieren zu können. Unter der Omnibus-Richtlinie ist das nicht nur unethisch, sondern rechtswidrig – weil der erhöhte Preis nicht der Preis der letzten 30 Tage ist.
- Fragmentierte Systeme: Wer Preise auf mehreren Kanälen (Onlineshop, App, stationär) pflegt, muss den 30-Tage-Tiefstpreis kanalübergreifend korrekt berechnen. Viele Händler haben dafür noch keine systemtechnische Lösung.
Was vorbildliche Compliance aussieht
Händler wie About You und Deichmann haben ihre Pricing-Systeme inzwischen so aufgebaut, dass die 30-Tage-Logik automatisch berechnet und im Frontend sauber ausgewiesen wird. „Unser niedrigster Preis in den letzten 30 Tagen: X Euro" – ohne manuelle Pflege, direkt aus dem Preishistorien-Datensatz gezogen.
Das ist nicht nur rechtliche Pflicht – es ist auch eine Opportunity: Konsumenten, die sehen, dass ein Anbieter transparent mit Preishistorien umgeht, schenken ihm mehr Vertrauen. Wer die Richtlinie als Mindeststandard behandelt, verschenkt Differenzierungspotenzial.
Pricing-Tools als Compliance-Enabler
Moderne Pricing-Software-Lösungen wie Omnia Retail, Tradebyte oder Netrivals protokollieren Preishistorien automatisch und können die 30-Tage-Berechnung systemisch absichern. Für Händler, die bisher auf manuelle Preispflege gesetzt haben, ist das ein starkes Argument für die Tool-Investition – auch jenseits der dynamischen Pricing-Funktionen.
Pricing Takeaway: Die Omnibus-Richtlinie ist keine Formalität. Abmahnwellen kosten Händler Geld, Zeit und Reputation. Wer Compliance systematisch löst – über automatisierte Preishistorien und transparente Frontend-Kommunikation – spart langfristig deutlich mehr als die Investition in saubere Systeme kostet.