Neue Daten zeigen, dass die Inflation nachlässt, Konsumenten spüren jedoch kaum Entlastung.
Die Kerninflation in der Eurozone fiel im Februar 2026 auf 2,6 Prozent – den niedrigsten Stand seit drei Jahren. Doch wer im Supermarkt oder Online-Shop einkauft, merkt davon wenig.
Die Inflationszahlen entspannen sich. Die Preise in den Regalen nicht. Diese Lücke zwischen Makrodaten und Alltagsrealität ist kein Zufall – sie ist Strategie.
Europäische Einzelhändler haben die Teuerungsphase genutzt, um ihre Margen zu stabilisieren. Nun, da die Inputkosten sinken, zögern viele, den Vorteil an Kunden weiterzugeben. Marktbeobachter stellen konsistent fest: Verbraucherpreise im Non-Food-Einzelhandel liegen weiterhin deutlich über dem Niveau von 2021 – obwohl die Beschaffungskosten seit Mitte 2024 gefallen sind.
Warum Händler nicht senken
Das Muster ist nicht neu. Nach Inflationsphasen folgt selten eine symmetrische Deflation. Händler begründen die stabilen Preise mit gestiegenen Personalkosten, höheren Energiepreisen und notwendigen Investitionen in Logistik und Tech. Teils stimmt das. Teils ist es auch schlicht profitables Kalkül.
Amazon und Zalando bilden eine Ausnahme: Beide Plattformen setzen ihre Algorithmen gezielt ein, um Preissenkungen der Hersteller schnell zu reflektieren – und erhöhen damit den Druck auf stationäre Händler und Brands, die ihre UVPs hochhalten wollen.
Für den Mittelstand ist die Lage besonders schwierig. Discounter wie Lidl und Aldi haben ihre Eigenmarken in der Inflationsphase massiv ausgebaut. Diese Produkte bleiben günstig – und ziehen Kunden ab, die jetzt mit realer Kaufkraft rechnen und Schnäppchen suchen.
Was Verbraucher tun
Die Konsumenten sind nicht passiv. Trading-down, also der Wechsel zu günstigeren Alternativen, ist laut GfK seit Mitte 2025 wieder rückläufig – aber nicht verschwunden. Die Preissensitivität bleibt hoch, vor allem bei Haushalts- und Elektronikartikeln.
Das zeigt sich auch in den Suchdaten: Preisvergleichsplattformen wie idealo.de verzeichneten 2025 wachsende Nutzerzahlen. Kunden suchen aktiv nach Abweichungen vom Marktpreis.
Warum das für Pricing Manager wichtig ist
Die Drucksituation ist zweiseitig: Wer die Preise zu spät senkt, verliert Marktanteile an Discounter und Plattformen. Wer zu früh senkt, gibt Margenpuffer auf, den er vielleicht noch braucht. Das Timing entscheidet.
Preismanagementsysteme, die Wettbewerberpreise und Nachfrageelastizität in Echtzeit tracken, gewinnen in diesem Umfeld erheblich an Relevanz. Händler ohne diese Transparenz reagieren zu langsam – oder falsch.
Ein weiterer Faktor: Preisstabilität schützt die Markenwahrnehmung. Häufige Preisschwankungen – nach unten wie nach oben – beschädigen das Vertrauen und fördern Kaufzurückhaltung.
Pricing Takeaway: Die Inflationsspirale dreht sich langsamer – aber die Preispsychologie bleibt angespannt. Wer jetzt datengetrieben entscheidet, statt auf Bauchgefühl zu vertrauen, sichert sich Marktanteile.