Die EU hat die jahrzehntelange Zollfreiheit für Pakete unter 150 Euro abgeschafft. Ab Juli 2026 gilt eine pauschale Abgabe von 3 Euro pro Paket. Das verändert die Kostenstruktur für asiatische Ultra-Niedrigpreis-Anbieter – und die Wettbewerbsposition europäischer Händler.
Nach jahrelanger politischer Diskussion hat die EU im Februar 2026 die Abschaffung der Zollfreigrenze für Pakete unter 150 Euro final beschlossen. Ab dem 1. Juli 2026 gilt: Jedes aus einem Drittland in die EU eingeführte Paket mit einem Warenwert unter 150 Euro unterliegt einer pauschalen Zollabgabe von 3 Euro. Für Temu, Shein und vergleichbare asiatische Ultra-Niedrigpreis-Anbieter, deren Geschäftsmodell auf der Nutzung dieser Freigrenze basierte, ist das eine strukturelle Kostenwende.
Die Hintergründe: Die sogenannte De-Minimis-Regelung (Zollfreiheit unter 150 Euro) war ursprünglich für kleine Warensendungen zwischen Privatpersonen konzipiert, nicht für gewerblichen E-Commerce. Mit dem Aufstieg von Temu, Shein und Alibaba-Plattformen wurde sie systematisch als Wettbewerbsvorteil genutzt: Während europäische Händler volle Zölle zahlen, konnten asiatische Plattformen günstige Waren ohne Zollbelastung direkt an europäische Verbraucher senden. Die EU-Mitgliedstaaten einigten sich am 13. November 2025 auf die Abschaffung; der EU-Rat gab am 11. Februar 2026 die finale Zustimmung.
Was die neue 3-Euro-Pauschale konkret verändert
Eine pauschale Abgabe von 3 Euro klingt marginal – ist es aber nicht, wenn man Temus und Sheins typisches Warenkorb-Profil betrachtet. Viele Bestseller auf diesen Plattformen werden für 2 bis 8 Euro verkauft. Eine zusätzliche Abgabe von 3 Euro entspricht in diesen Preislagen einer Kostenerhöhung von 40 bis 150 Prozent auf Logistikebene. Wer den Preisvorteil durch Zollfreiheit realisiert hat, muss ihn nun an anderer Stelle kompensieren – durch günstigere Produktion, niedrigere Margen oder Preiserhöhungen.
Zeitplan und was danach kommt
Die 3-Euro-Pauschale ab Juli 2026 ist eine Übergangslösung. Ab circa 2028 soll der EU Customs Data Hub vollständig operativ sein: ein zentrales System, das alle Importe in Echtzeit erfasst und normale produktspezifische Zolltarife automatisiert erhebt. Das bedeutet: Die 3-Euro-Pauschale ist erst der Anfang. Die Vollimplementierung normaler Zolltarife für alle Importe – auch unter 150 Euro – wird den strukturellen Kostenvorteil asiatischer Plattformen vollständig eliminieren.
Chancen für europäische Händler
Für europäische Retailer ist die Regeländerung ein struktureller Wettbewerbsvorteil, der sich in Preisgesprächen mit Kunden und in der Sortimentsstrategie nutzen lässt. Produkte in der Preisklasse unter 15 Euro – wo Temu und Shein bislang strukturell unschlagbar waren – werden durch die neue Abgabe näher an die Preisschwelle europäischer Anbieter heranrücken. In bestimmten Kategorien (Bekleidung, Haushaltswaren, Spielzeug) verändert das die wettbewerbsorientierte Preissetzung fundamental.
Pricing Takeaway: Die Abschaffung der 150-Euro-Zollfreigrenze ist ein regulatorischer Eingriff zugunsten europäischer Händler. Für Kategorien, in denen asiatische Ultra-Niedrigpreis-Plattformen mit Zoll-Arbitrage konkurrierten, verschiebt sich die Wettbewerbsgleichung ab Juli 2026 spürbar. Pricing-Teams sollten die Kalkulation jetzt anpassen – und die Kategoriepositionen prüfen, die bisher als "nicht gegen Temu verteidigbar" galten.