Seit Jahren drängt Amazon seine Händler dazu, sich an identische Angebote anzuhängen, um die Plattform nicht zu vermüllen und dem Kunden ein geordnetes Einkaufserlebnis zu ermöglichen sowie ihm die Chance zu bieten, identische Artikel nach Preis und Versandkonditionen zu vergleichen. Jedoch bestätigen neue Urteile des Bundesgerichtshofes, dass man bei diesem Anhängen ganz genau hinschauen sollte, um später keine unangenehme Überraschung zu erleben.

Wenn mehrere Händler bei Amazon identische Produkte anbieten, werden Sie im besten Falle auf der Produktseite gleichwertig gelistet und erscheinen nacheinander. Dann entscheiden Kriterien wie Primeversand, Preis und gesonderte Anzeigenformate.

Vielmehr ist es laut Amazon-Statuten sogar verboten, identische Artikel doppelt anzulegen. Doch dies führt natürlich auch heikle Konsequenzen, aus rechtlicher Sicht, mit sich.

Wie bekannt, hat man auf die Ausarbeitung und Darstellung eines Produktangebotes beim Anhängen seines eigenen identischen Produkts keinen Einfluss auf den Titel, die Produktbeschreibung, sowie die Bilder. Sprich, man vertraut dem Motto „Mitgehangen, mitgefangen!“ Denn laut dem Gerichtsurteil des Bundesgerichtshofes vom 03.03.2016 ist der Marketplace-Händler stets verpflichtet, Änderungen seiner, bei Amazon-Marketplace zum Verkauf angebotenen, Produkte zu überprüfen. Dies gilt natürlich auch, wenn die Änderungen von einem Dritten unbemerkt vorgenommen werden. So zum Beispiel vom Ersteller des eigentlichen Angebots. Dies ist natürlich faktisch für den einzelnen Amazon-Marketplace-Händler faktisch unmöglich.

Herkunft von Informationen und Bilder kaum prüfbar

 Die Überprüfung dieser Informationen gestaltet sich zuweilen sehr schwierig. Bei Produktbeschreibungen, Bulletpoints oder Titeln könnte man das Internet rein theoretisch noch durchforsten, um zu prüfen, ob diese irgendwo abgekupfert wurden. Doch spätestens bei der Herkunft und rechtmäßigen Verwendung von Bildern sind einem meist die Hände gebunden. Doch dies interessiert die Richter keineswegs. Denn laut Gerichtsurteilen in der Vergangenheit können alle angehängten Händler für die unberechtigte Verwendung von Bildern abgemahnt werden. Das Anhängen hat auf den hauptsächlichen Tatbestand der Urheberrechtsverletzung leider keinen mildernden Einfluss.

Zum Glück halten sich diesbezügliche Urteile derzeit noch in Grenzen. Die einzige Möglichkeit der Händler liegt jedoch trotzdem darin, sich die Angebote, an die sie sich mit ihren Produkten hängen wollen ganz genau im Auge zu behalten und eventuelle berechtigte Rechtsverstöße über das Amazon-eigene Beschwerde-Tool bei Amazon anzuzeigen.