Der börsennotierte amerikanische Online-Versandhändler plant, in großem Stile in den Versicherungsmarkt einzusteigen. Anfangs soll es sich vor allem um Versicherungspolicen für die auf der Plattform angebotenen Produkte handeln. Die Bandbreite soll sich offenbar schnell erweitern.

Laut der Nachrichtenagentur Reuters sucht Amazons Versicherungseinheit Amazon Protect bei Portalen wie Linkedin und Where Women Work gezielt nach Mitarbeitern mit erweiterten Qualifikationen im Bereich Versicherung für den Standort London, mit Sprachkenntnissen in Deutsch, Französisch und Spanisch. Dies lässt vermuten, dass der Internetriese mit seiner Versicherungssparte den europäischen Markteintritt vorbereitet.

Versicherungen – ein lohnendes Geschäft

Kein Wunder, denn Versicherungen lohnen sich. Media Markt und andere Elektronikmärkte machen es bereits seit Jahren vor. Die MediaMarktSaturn Retail Group bietet beispielsweise in ihren Märkten seit Jahren Zusatzversicherungen für Elektrogeräte ab 200 EURO, in Zusammenarbeit mit ihrem Partner Allianz, an. Vor allem hochwertige Elektrogeräte werden meist in Verbindung mit Garantieverlängerungen oder Zusatzversicherungen verkauft. Dabei erreichen die Provisionssätze für den Endkundenanbieter meist sogar 40 bis 50 Prozent der zu zahlenden Beiträge. In der Masse der abgeschlossenen Zusatzversicherungen ein durchaus lohnendes Gerät.

Im Schadensfall bringen die Versicherungen meist wenig. Das bestätigt eine Analyse der Zeitschrift „Finanztest“. Denn die gesetzliche Gewährleistung bei Neuware endet zwei Jahre nach dem Kauf. Der Händler muss bei einem Problem dafür aufkommen. Allerdings muss der Kunde beweisen, dass das Gerät bereits defekt war, als es gekauft wurde. Und genau dies dürfte für die meisten Kunden recht schwierig sein.

Doch Amazon wäre nicht Amazon, wenn es nicht schon weiterdenken würde. In den Stellengesuchen heißt es vielversprechend: „Wir haben ehrgeizige Pläne für erhebliches Wachstum in unseren bestehenden Märkten und werden neue innovative Produkte auf den Markt bringen.”

Das amerikanisches Start-up Trov soll dabei Amazons Vorbild sein. Bei Trov versichern Kunden einzelne Wertgegenstände wie Laptops, Kameras oder Fahrräder, die Policen sind minutengenau an- und abschaltbar. Dadurch behält der Kunde die volle Kostenkontrolle. So soll eine ganz besondere Art von Kundenvertrauen und Transparenz erreicht werden.

Möglicher Mehrwert für Händler auf Amazon

So soll eine ganz besondere Art von Kundenvertrauen und Transparenz erreicht werden. Wie jedoch Händler in den abzusehenden Dienst von Amazon Protect mit einbezogen werden sollen, wurde von Unternehmensseiten bisher noch nicht bekannt gegeben. Klar ist jedoch, dass Amazon problemlos und ohne großen Kostenaufwand diesen neuen Zweig etablieren können wird und gleichzeitig bei einer großen Menge an Kunden für die Policen werben kann.